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12. Juni - Demos in Stuttgart und Berlin: "Wir zahlen nicht für Eure Krise!"

Griechenland ist vermutlich erst der Anfang, die Krise nicht vorbei. Statt die Profiteure und Verursacher der Krise zur Kasse zu bitten, sollen die Menschen mit Kürzungen bei Bildung und Sozialem, Privatisierung und niedrigeren Löhnen dafür zahlen. Daher ruft DIE LINKE unter dem Motto „Griechenland ist überall“ dazu auf, sich am 12. Juni an den Demonstrationen des Bündnisses „Wir zahlen nicht für eure Krise!“ in Berlin und Stuttgart zu beteiligen und den Protest gegen die herrschende Politik auf die Straße zu tragen.

Zur Mobilisierung für die Demonstration in Stuttgart gibt es ein Flugblatt der LINKEN "Das nennt ihr gerecht - gerecht geht anderes!" - einfach ausdrucken und weitergeben! Weitere Materialien finden sich auf der Website des Bündnisses.

Auf der Seite des Bündnisses gibt es auch eine Busbörse und weitere Hinweise zur Anreise nach Stuttgart und Berlin.

Wer selbst bei sich vor Ort für die Demonstration mobiliseren will oder weitere Informationen braucht, kann sich gerne in der Bundesgeschäftsstelle der LINKEN melden (030/24009-345, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ).

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. Mai 2010 um 17:51 Uhr
 
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Programmdebatte bei der LINKEN

Vorstoß in die Wirklichkeit
von Thies Gleiss

Die bisherige Entwicklungsgeschichte der Partei Die Linke hat ein merkwürdiges Ergebnis hinterlassen: Eigentlich hat nur die SPD wirklich Angst vor ihr.

Auch wenn Analysen wie die von Georg Fülberth oder einige linke Kritiker der LINKEN äußern, es würde sich hier nur eine neue oder gar zweite sozialdemokratische Partei entwickeln, und dabei viele wesentliche Dinge ausklammern: Unstrittig ist, dass die einzige wirklich ernsthafte gesellschaftliche Veränderung, die von der LINKEN ausgeht, in der tiefen, vielleicht finalen Krise der Sozialdemokratie besteht.

Der Frust in und an der SPD hat durch die LINKE eine Perspektive bekommen. Die beiden Parteien der Besserverdienenden - FDP und Grüne - haben im Wettkampf um parlamentarischen Einfluss der LINKEN eher zu danken, weil die hysterische Abgrenzung von ihr identitätsstiftend wirkte. Die konservativen Bürgerparteien CDU und CSU leiden mehr an sich selbst, an den gestärkten Konkurrenten bei FDP und Grünen und an der Krise des Kapitalismus als an der Herausforderung durch die LINKE. Und die wirklich Mächtigen im Lande in den Konzernzentralen und Arbeitgeberverbänden haben die LINKE bisher nicht viel ernster genommen als den Auftritt eines Kritischen Aktionärs auf einer Hauptversammlung in früheren Zeiten.

Wahlalternative

Der Grund dafür ist die mehr oder wenig bewusste Entscheidung der LINKEN, sich nur als «Wahlalternative» (wie eine der Quellparteien ja schon im Namen verriet) zu verstehen und auf Wahlkämpfe zu beschränken. Ein Selbstverständnis der Partei als politische Gegenbewegung spielte zwar immer mit, weil ohne dieses ein Erfolg in der Realpolitik gänzlich unmöglich ist, es wurde und wird von den entscheidenden Parteikräften aber immer mehr unterdrückt.

So organisiert sich die Partei mehr schlecht als recht nur in Wahlkreisverbänden und rund um papierne Wahlkämpfe. Sie spricht von außerparlamentarischem Widerstand, aber sie organisiert ihn kaum. Sie bildet keine Betriebs- und Stadtteilgruppen, keine Aktiventreffs innerhalb der sozialen Bewegungen und keine Gewerkschaftsströmung. Sie fordert das Recht auf politischen Streik, aber da wo er stattfindet, wie in den Kämpfen der Lokführer, der Erzieherinnen, des Reinigungspersonals, treibt sie ihn nicht voran, und da wo er stattfinden müsste, in den Tarifrunden, hüllt sie sich in Schweigen.

Das hat nichts mit dem unbestrittenen Respekt vor der strukturellen Unabhängigkeit sozialer Bewegungen zu tun - sich als Geldgeberin und Rednerin anzubiedern, fällt der LINKEN natürlich nicht schwer -, sondern mit einer Fehlentscheidung, wie gesellschaftliche Veränderungen erreicht werden können.

Sicherlich lässt sich darüber zu streiten, ob solche Selbstbeschränkung der LINKEN notwendig war, um den Aufbruch zu dieser fast undenkbaren «Einheitsfront» von Reformisten und Revolutionären, von gefrusteten Sozialdemokraten, nach Anerkennung gierenden Ostlinken, Alt-68ern und Betroffenen der Agenda 2010, die sich heute in der LINKEN versammelt, überhaupt zu ermöglichen. Tatsache ist aber, das jeder wirkliche Fortschritt im Parteiaufbau und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung im Grunde auf Ab- oder wenigstens Aufweichungen von dieser Selbstbeschränkung zurückzuführen ist.

Was der LINKEN somit vor allem fehlt, ist der Mut zu ihrer tatsächlichen gesellschaftlichen Rolle und Stärke, die Bereitschaft, die nötige Radikalisierung zu vollziehen, die von der aktuellen Situation gefordert und von den Menschen, die auf die LINKE schauen, auch erwartet wird.

Das Bürgertum schäumt, die Parteirechte stöhnt

Der Programmentwurf der LINKEN hat ein weiteres Mal eine Ampelschaltung ausgelöst, bei der sich die Partei entscheiden muss, ob sie weiter nach links gehen und zu einer aktiven, konfliktbereiten Bewegungspartei werden oder in der vom Gegner geforderten Anpassung verdorren will.

Die Reaktion der bürgerlichen Parteien und der ihnen treu ergebenen Medien auf den Programmentwurf war da fast schon zu viel Ehre für die LINKE. Sie schlugen wie auf Kommando mächtig Schaum angesichts einer «durchgeknallten» LINKEN. Zum ersten Mal klang aus den Kommentaren in Bild, Handelsblatt und FAZ ein wenig Angst vor Enteignung und einem neuen Sozialismus; das Schreckgespenst einer Rückkehr der DDR wurde nicht nur als hämische Botschaft an ein entpolitisiertes Massenpublikum an die Wand gemalt, sondern als reale Erinnerung an 40 Jahre nichtkapitalistisches Deutschland.

Besser hätte es kaum losgehen können. Nur muss die LINKE dort, wo sie jetzt verortet wird, auch selbstbewusst hingehen. Eine bessere Möglichkeit, die traurigen DDR-Erfahrungen gerade nicht zu wiederholen, gibt es nicht. Die Chance, den Sozialismus als gesellschaftliches Gegenmodell wieder diskursfähig zu machen, wird nicht oft gegeben. Vor der Einlösung der Errungenschaft, dass im Alltagsstreit wieder diskutiert werden darf: «Ich bin Sozialist - warum du nicht?», darf die LINKE aber nicht von der Bühne abtreten.

Die politisch identitätslose, sich nur im Verhältnis zu angeblichen politischen Bündnispartnern definierende und auf schnöde Teilhabe an den parlamentarischen und Regierungsposten schielende Parteirechte stöhnte erwartungsgemäß auf. Für diese, sich selbst immer gern als «realpolitisch» bezeichnende, Truppe aus Mandatsträgern und Apparatschiks war der Vorstoß in die Wirklichkeit der kapitalistischen Klassengesellschaft, der im Programmentwurf immerhin ein wenig unternommen wird, schon zuviel Realitätsschub.

Birke Bull, MdL und Mitglied der Programmkommission, Jan Korte, MdB und Parteivorstand, Bodo Ramelow, MdL und Parteivorstand, Matthias Höhn, MdL und Parteivorstand und andere prangerten den faktischen Ausschluss ihrer Regierungsbeteiligungsoptionen ebenso an wie das ungerechte und undifferenzierte Verteufeln des privaten Unternehmertums.

Die Enteigner enteignen

Es war zu erwarten, dass sich die in der LINKEN überlebende schrullig-technokratische Fraktion von Schreibtisch-Sozialisten - die sich um die Zeitschrift Sozialismus oder auch im Sozialistischen Forum Rheinland tummeln - mit vielen Worten zum Programmentwurf meldet, ohne etwas zu sagen. Für sie besteht sozialistische Strategie in der Ausarbeitung langer technokratischer Konzepte, mit denen die Herrschenden in der Gesellschaft belagert werden, damit sie sodann den Sozialismus einführen, ohne dass es jemand merkt. Für solche Esoteriker ist natürlich kein Programmentwurf lang, konkretistisch und schwurbelig genug.

Die Parteiströmung «Sozialistische Linke» «begrüßte» den Programmentwurf, weil sie eigentlich immer alles nur «begrüßt» und wenig verabschiedet.

Die «Antikapitalistische Linke» wies in ihrer Erklärung von Neubrandenburg auf viele Schwachpunkte im Programmentwurf hin - in der Kriegs- und Militärfrage, in der Eigentumsdefinition. Die von ihr und vielen Einzelautoren verlangten Präzisierungen täten dem Programmentwurf sehr gut.

Die zentrale Schwäche des Programmentwurfs wird aber auch von der AKL nur zaghaft aufs Korn genommen. Die kapitalistische Gesellschaft ist eine Wirtschaftsordnung der permanenten Enteignung. Eigentum und Macht sind ein gewaltsamer täglicher Prozess und nicht nur eine statische Rechtsform. Eine neue Wirtschaftsordnung muss deshalb auch als ein Prozess der Wiederaneignung und Entmachtung der Mächtigen verstanden werden. Diese Dynamik drückt sich in zunehmenden Formen von Gegenmacht, in Streiks und Blockaden der Normalität, in Betriebsbesetzungen und allgemein widerständiger Tätigkeit wirklicher Menschen aus.

Erst auf dieser Basis vervollständigt sich eine Perspektive der Partei DIE LINKE als einer Bewegungspartei, die zugleich Teil und Ergebnis dieser Widerständigkeit ist. Alles andere - Bündnispolitik, Regierungsfrage, Mobilisierung für Einzelreformen - sollte sich von diesem Grundsatz ableiten.

Wird dies versäumt, dann dürfte die enttäuschte Öffentlichkeit bald auch über DIE LINKE den Tucholsky’schen Spott über die SPD ausschütten: «‹Wat brauchste Grundsätze, wenn de een Apparat hast!› Und da hat der Mann recht! Wahrscheinlich werd ick diese Partei wähln, denn dit is so ein beruhijendet Jefühl: Man tut wat for de Revolution und weeß janz jenau, mit diese Partei kommt se janz bestimmt nich! Det is sehr wichtich für een selbständijen Jemüseladen!»

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"Die Gewerkschaften brauchen wieder eine starke Utopie"


Bildmontage: HF

30.04.10 Quelle : www.scharf-links.de
ArbeiterbewegungArbeiterbewegung, Debatte, TopNews

Von http://www.workzeitung.ch

Oskar Negt rät den Gewerkschaften, ihre Einmischung über den Betrieb hinaus zu erweitern: ins Quartier, in die Politik, in die Kultur, ins volle Leben.

work: Oskar Negt, seit drei Jahren legt der Kapitalismus eine globale Krise hin. Diese Wirtschaftsform zeigt ihre wahnsinnigen Züge. Absurde Finanzwetten. Milliardenboni. Steigende Ungerechtigkeiten. Doch hören die Völker die Signale?

Oskar Negt: Widerstand regt sich überall. Weltweit. Nur ein Beispiel: Dieser Tage standen in vielen Fabriken des US-Autokonzerns GM die Bänder still, weil beim indischen Zulieferer Rico die Belegschaft streikte. Leider hat die Linke bisher kein umfassendes, attraktives Gegenprojekt mit kräftiger und hörbarer Stimme vorgebracht.

Also machen die Besitzenden, ihre Manager und Politiker weiter, als sei nichts gewesen.Das hat einen Vorteil. Welchen?

Zum ersten Mal in der Geschichte funktioniert der Kapitalismus genau so, wie ihn Karl Marx beschrieben hat. Das macht für alle sichtbar, welche Probleme dabei liegengeblieben sind. Etwa die Frage, wie es mit dieser Arbeitsgesellschaft weitergehen soll. Sie ist auf das Prinzip der Rationalisierung gebaut. Rationalisierung bedeutet, auf lebendige Arbeitskraft zu verzichten. Oder diese Arbeitskraft so zu zerstückeln, dass die Menschen neben ihrer Arbeit noch Sozialhilfe brauchen. Immer mehr Menschen werden ausgeschlossen. Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und seelische Integrität der betroffenen Menschen. Dies alles liegt heute offen. Es erzwingt ein radikales Umdenken.

Davon spüren wir wenig. Im Gegenteil: Die Bürgerlichen greifen auch noch die soziale Sicherheit an. Sie betreiben die Abschaffung der Sozialversicherungen. Sie flirten mit einem Arbeitszwang.

Das ist absurd. Der Staat hat als Schutzschild der Banken funktioniert. Jetzt sollen die Arbeitenden dafür bezahlen. Die Plünderung des Sozialstaates geht weiter. Jene, die das fordern, haben eine katastrophale Vorstellung von Gesellschaft. Ohne soziale Sicherheit, ohne Freiheit und Gerechtigkeit zerbricht die Demokratie.

Seltsam, dass in dieser Lage viele Leute eine Partei wie die SVP wählen. Sie predigt Marktfundamentalismus und organisiert die Zerstörung der sozialen Sicherheit.

Seltsam ist das nicht. In Krisen wächst die Angst. Die Menschen vertrauen eher den Starken oder jenen, bei denen sie Stärke vermuten. Im modernen Kapitalismus vergrössert sich dieser Rohstoff Angst ständig. Darum hat die Fremdenfeindlichkeit ein so leichtes Spiel. Auch deshalb braucht es heute starke Gewerkschaften. Sie müssen die Kraft finden, den Leuten die Angst zu nehmen.

Können die Gewerkschaften das?

Ja, aber nur, wenn sie sich grundlegend verändern. Die Gewerkschaften haben in ihrer mehr als 100jährigen Geschichte für die Humanisierung der Lebens- und Arbeitswelt Grosses geleistet. Aber heute stehen sie oft mit dem Rücken zur Wand. Die Wirtschaft hat sich neu aufgestellt. Die grossen Unternehmen sind zunehmend global und gleichzeitig dezentral organisiert. Immer mehr Menschen arbeiten mit Verträgen auf Zeit, als Scheinselbständige, ohne Zusammenhang einer Belegschaft, flexibilisiert. Im veränderten Kapitalismus genügen blosse Verteidigungskämpfe nicht mehr.

Warum?

Gewerkschaften haben traditionell eine Doppelrolle: Einerseits sind sie ein integrierender Ordnungsfaktor. Andererseits waren sie eine Gegenmacht: Im gewerkschaftlichen Projekt war eine gerechtere Form von Arbeit und Leben angelegt. Doch diese Gegenmacht ist über die Jahrzehnte schwächer geworden. Ich plädiere dafür, dass die Gewerkschaften wieder eine starke Gesellschaftsutopie entwickeln. Sie brauchen Offensivgeist. Eine Vorstellung von einem besseren Ganzen. Sonst werden ihre Waffen immer stumpfer. Wenn sich Gewerkschaften nicht mehr von anderen Wirtschaftsverbänden unterscheiden, verlieren sie ihre Kraftquellen.

Wo ist der Ausweg?

Die Gewerkschaften brauchen eine Doppelstrategie. Zum einen müssen sie in den Betrieben stark bleiben und stärker werden. Aber das allein genügt nicht. Sie sollten sich daran erinnern, dass sie früher auch einen Lebenszusammenhalt, eine Kultur darstellten und ein starkes gemeinsames Projekt zur Emanzipation der Arbeitenden waren. Um diese Kraft zurückzugewinnen, sollten sie ihr Handlungsfeld erweitern. Ich nenne es die Erweiterung des gewerkschaftlichen Mandats.

Eine Ausdehnung der Kampfzonen?

Ja. In vier Bereichen: Erstens müssen sie ihren Begriff von Arbeit erweitern. Lohnarbeit ist nur eine Form der Arbeit. Das klammert zahlreiche Menschen aus, die ausserhalb der klassischen Unternehmen arbeiten. Und eine grosse und schnell wachsende Zahl von Menschen leistet notwendige, aber nicht entlöhnte Arbeit. Etwa in der Pflege, in der Erziehung, im Quartier. Zweitens sollten Gewerkschaften Interessenvertreterinnen des gesamten Lebenszusammenhangs werden. Diese Gesellschaft ist reicher denn je, aber ihr Menschenbild wird immer schmaler. Ich nenne es die Erweiterung des Interessenbegriffs der Gewerkschaften.

Früher wurde das im Rahmen einer eigentlichen Arbeiterkultur gelöst.

Das ist Erweiterung Nummer drei: Die Gewerkschaften sollten sich wieder ein kulturelles Mandat geben. Stark sind die Gewerkschaften, wenn sie eine kulturelle Kraft in der Gesellschaft sind. Und da schliesst gleich die vierte, schwierigste Erweiterung an, die ich mit dem Entwurf für eine andere Gesellschaft angesprochen habe: Sie werden nicht darum herumkommen, der betriebswirtschaftlichen Ideologie ein neues Bild vom Gemeinwohl entgegenzuhalten.

Viele Gewerkschafter sehen das enger. Sie hoffen einfach auf neues Wachstum. Denn das soll neue Jobs bringen. Ist das falsch?

Früher hiess es: Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen. 2010 ist wahr: Die Gewinne von heute sind die Arbeitslosen von morgen.

Das stellt erneut die Frage nach einem besseren Wirtschaftssystem. Doch was können wir sofort tun?

Wir sollten auf ein Grundeinkommen für alle drängen. Das Geld ist da. Es wird nur falsch verteilt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist die einzige vertretbare Form, das Problem in einer Demokratie zu lösen.

Ohne Bedingungen?

Bedingungen darf es nicht geben. Sonst beginnt der Überwachungsstaat. Und sie schnüffeln in unseren Schränken, ob wir irgendetwas dazuverdienen.

Heute reden alle nur vom Markt, der es richten soll…

Der Markt kann keine würdige und sinnvolle Gesellschaft organisieren. Die Mechanik des Marktes ist auf Ausgrenzung und Vernichtung des anderen gerichtet und nicht auf Zusammenarbeit, auf Kooperation. Solidarische Kooperation aber stand am Anfang der Gewerkschaftsbewegung. Diese Kernkompetenz müssen die Gewerkschaften nun zurückgewinnen. Was wir jetzt brauchen, ist die öffentliche Einmischung aller in ihre gemeinsamen Angelegenheiten. Gemeinsinn und Gemeingüter. Wir haben seit Jahrhunderten für die Befreiung des Menschen von Zwängen gearbeitet. Diese Emanzipation sollten wir als unser Eigentum betrachten. Und auf seiner Herausgabe durch die Besitzenden bestehen.

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OSKAR NEGT

«Wozu noch Gewerkschaften? » hat der deutsche Soziologe und Philosoph Oskar Negt in einem Buch 2004 gefragt, und diese Frage war Programm: Negt (75) stand zeitlebens tatkräftig und kritisch an der Seite der Gewerkschaften. Zum Beispiel in der Bildungsarbeit. Auch der Unia ist er verbunden – er kam mehrmals nach Biel, um mit Sekretären und Mitgliedern die Zukunft der Gewerkschaften zu diskutieren.

DENKER. Negt hat bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno studiert, war lange Assistent von Jürgen Habermas, schliesslich Professor in Hannover. Zwei Dutzend Bücher hat er geschrieben, einige gemeinsam mit seinem Denkpartner, dem Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge. 2001 erschien Negts bahnbrechende Schrift «Arbeit und menschliche Würde» – 700 Seiten denkerische Aufrüstung für alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.

work, 29.04.2010
http://www.workzeitung.ch/tiki-read_article.php?articleId=1186&topic=1

 
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Quelle : www.scharf-links.de

Mehr als 120.000 Atomkraftgegner/innen fordern mit 120 Kilometer langer Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Krümmel: "Die Bundesregierung muss ihren Pro-Atom-Kurs korrigieren!"


24.04.10
UmweltUmwelt, Bewegungen, Hamburg, Niedersachsen, TopNews

Mit einer 120 Kilometer langen Aktions- und Menschenkette vom Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein quer durch Hamburg bis zum AKW Brunsbüttel demonstrieren zur Stunde über 120.000 Atomkraftgegner gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke.

"Es ist gelungen: Über 120 Kilometer entlang der Elbe und quer durch Hamburg steht die Kette gegen Atomkraft. Dies zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung aus der gefährlichen Atomenergie aussteigen will. Die Pannenmeiler Krümmel und Brunsbüttel müssen endgültig stillgelegt werden. Und auch der Betrieb der anderen Atomkraftwerke ist nicht länger zu verantworten. Der heutige Tag wird eine bundesweite Kettenreaktion des Protests und Widerstands auslösen, sollte die Bundesregierung in der Atompolitik nicht einlenken", erklärten die Veranstalter, ein breites Bündnis von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen, Erneuerbare-Energien-Verbänden, kirchlichen Organisationen, Jugendverbänden, Gewerkschaften und Parteien.

Proteste gegen die Atompolitik der Bundesregierung finden auch in anderen Bundesländern statt. In Hessen wird derzeit das AKW Biblis umzingelt, demonstriert wird außerdem vor dem Atommüll-Lager im nordrhein-westfälischen Ahaus. Insgesamt beteiligen sich mehr als 120.000 Menschen an den heutigen Aktionen.

"Das Engagement der vielen Hundert ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und der Zuspruch von engagierten Menschen aus allen Teilen der Bundesrepublik und quer durch alle gesellschaftlichen Milieus waren enorm. Am heutigen Tag der Erneuerbaren Energien und zwei Tage bevor sich die Atom-Katastrophe von Tschernobyl jährt, haben über 120.000 Menschen der Bundesregierung signalisiert: Sie muss ihren Pro-Atom-Kurs korrigieren. Es ist höchste Zeit für die Stilllegung der Atomkraftwerke", sagte der BUND-Atomexperte Thorben Becker, einer der Sprecher der Aktion.

"Wenn die Atommanager alte Reaktoren länger am Netz lassen wollen, um damit pro Jahr und Meiler 300 Millionen Euro zusätzlich zu verdienen, so ist das aus deren Sicht vielleicht profitabel. Aber der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke blockieren Investitionen in erneuerbare Energien und damit den Umwelt- und Klimaschutz. Für die Bevölkerung bedeutet dies immer neue Gefahren durch den Betrieb der Altmeiler, noch mehr Atommüll, noch mehr Atomtransporte und weitere Risiken wie im Fall des abgesoffenen Atommülllagers Asse. Allein die ungelöste Atommüllentsorgung muss Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Kanzlerin Angela Merkel dazu bewegen, den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke abzulehnen"
, so die Organisatoren der Aktion.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" und einer der Sprecher des Trägerkreises: "Wir lassen jetzt nicht mehr locker. Wenn die Bundesregierung an ihrem Atom-Kurs festhält, wird die neue Protest-Bewegung weiter zulegen. Wir mischen uns damit aktiv in die Debatte um ein neues Energiekonzept ein und werden den Druck gegen die rückwärtsgewandte Energiepolitik erhöhen. Für die nächsten Monate erwarten wir viele weitere Aktionen im ganzen Bundesgebiet. Eine weitere bundesweite Großaktion am 2. Oktober ist bereits in Planung. Und auch beim Castor-Transport nach Gorleben im November rechnen wir mit weiter wachsenden Protesten."

Die Initiatoren der Anti-Atom-Kette sind der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, das Kampagnennetzwerk Campact und die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad. Getragen wird die Aktion außerdem von Attac Deutschland, dem Bundesverband Erneuerbare Energien e.V., Bündnis 90 /Die Grünen, DGB Nord, Deutscher Naturschutzring - DNR, die Klima-Allianz, Deutsche Umwelthilfe - DUH, Die Linke, Dr. Thomas Schaack – Umweltbeauftragter der Nordelbischen Kirche, Evangelische Jugend Hamburg, Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortungsvolle Energiepolitik (Gundremmingen), Grüne Jugend, IG Metall Küste, IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, IG Metall Unterelbe, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - IPPNW, Jungsozialisten in der SPD - Jusos, Naturfreunde Deutschlands, Sozialdemokratische Partei Deutschland - SPD.

www.anti-atom-kette.de

 
 


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Immanuel Kant

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