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Wir alle sind DIE LINKE. & Für einen starken Landeswahlkampf

Unsere Landespartei ist seit Jahren gespalten. Wie konnte das geschehen?

Erkennen wir die Ursachen und übernehmen unseren jeweiligen Teil der Mitverantwortung, dann finden wir Wege zum Besseren, hin zu einer attraktiven und politisch starken Landespartei.

Die Landesvertreterinnenversammlung, der Landesvorstand und die Kreisvertreter haben erste Schritte getan.


Für Kreisparteitage Ende August /Anfang September in allen Kreisen

Alle Kreise waren mit Vertretern ihrer Kreisvorstände zur Beratung der Konsequenzen aus der auf der LandesvertreterInnenversammlung ausgebrochenen offen sichtbar gewordenen tiefen Krise der Landespartei, nicht unwesentlich verursacht durch das Vorstandhandeln, geladen.
In dieser Krise liegt die Chance zur Erneuerung der Partei. Erneuerung meint zuerst: auf den Weg des demokratischen Gründunsgkonsens*1 der gemeinsamen Partei finden. Wir rufen dazu auf dafür zu streiten, zu kämpfen und aufzuklären!

 

Die Unterzeichnerinnen der Neuwieder Erklärung und die Versammlung der KreisvertreterInnen und des Landesvorstandes haben politische Willenserklärungen zur Handlungsfähigkeit der Landespartei verabschiedet.

 

Was folgern wir daraus?

Wie schaffen wir die innerparteilichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Landtags-wahlkampf? Wir können Schlussfolgerungen aus diesem Papier, zu den Krisenursachen und Verantwortlichkeiten und vor allem die Vorschläge für konstruktive solidarische Wege aus der Krise mit allen Mitgliedern erarbeiten. Im Ergebnis gewinnen wir konkrete, prüfbare weitere Maßnahmen zur demokratischen Arbeitsweise und zu neuen Wegen zur solidarischen Kooperation in der Partei in den Kreisen und auf Landesebene. Solidarische Zusammenarbeit bedeutet politische Handlungsfähigkeit (nicht nur) für den Landtagswahlkampf gewinnen.

 

Wir brauchen den breiten Landeserfahrungsaustausch über das gesellschaftspolitische Klima, gewonnen aus unseren Kontakten zu den BürgerInnen, Folgerungen aus ihren Ängsten, ihren Hoffnungen und ihren konkreten Erwartungen an uns. Welche WählerInnen wollen wir mit unseren Argumenten mobilisieren?

 

Damit ist der Partei und der Vorbereitung des Landtagswahlkampfes gedient.

Damit beginnt die Vorbereitung des ordentlichen Landesparteitages .

Für einen übereilten Sonderparteitag gibt es keinen Grund, im Gegenteil, so würde die Beteiligung der Parteibasis erneut ausgeschaltet oder minimiert.

Für innerparteiliche demokratische Legitimation und eine breite Basis der Erneuerung der Partei - Themen und Fragen:

Die wichtigsten Kräftepotentiale einer linken Partei sind

  • eine überdurchschnittlich hohe Mitgliederbeteiligung an der Formulierung und Umsetzung ihrer Politik,

  • die gesteigerte Kraft die nur aus solidarischer Kooperation erwächst und

  • eine ausdauernde, qualifizierte Arbeit am besseren Argument im voneinander Lernen.

Zur aktuellen Diskussion der verschiedenen Akteure

  • Werden die zu lösenden Probleme klar formuliert?

  • Werden die Interessen und Positionen der KonfliktteilnehmerInnen dargestellt?

  • Werden die Ursachen für die Konflikte dargelegt?

  • Werden konkrete Lösungsvorschläge entwickelt?

  • Wird die Wiedergutmachung und gleichberechtigte Teilhabe gegenüber bisher diffamierten, ausgegrenzten Mitgliedern vorgeschlagen?

Unterzeichne auch Du diesen Aufruf, setze dich für diese Kampagne zur Stärkung unserer Landespartei und für Kreisparteitage zu diesem Anliegen ein.

DIE LINKE. strebt die Entwicklung einer solidarischen Gesellschaft an, in der die Freiheit eines jeden, Bedingung für die Freiheit aller ist. Die neue LINKE ist plural und offen für jede(n), die(der) gleiche Ziele mit demokratischen Mitteln erreichen will. (Bundessatzung der Partei DIE LINKE. Der Entwurf wurde von den Parteivorständen der Linkspartei.PDS und der WASG auf ihrer gemeinsamen Sitzung am 10.12.2006 als Leitantrag für die Dortmunder Parteitage beschlossen).

 

Erstunterzeichner:

Liborio Ciccarello, DIE LINKE Ludwigshafen, Stadtrat

Bettina Lau, Koblenz

Bernd Wittich, Ludwigshafen

Gert Winkelmeier, Mitglied des Kreistages Neuwied

 

Dokumentation

(1) Neuwiedererklärung vom 28. Juni 2010

Im Interesse der Menschen von Rheinland-Pfalz - jetzt erst recht!

Wir Mitglieder der LINKEN aus dem Norden stehen zu unserer Partei und werden einen engagierten Landtagswahlkampf führen.

Auch nach der Wahl der Landesliste fühlen wir LINKE uns gut für die kommende Landtagswahl gerüstet. Das Kriterium, einen aktiven Wahlkampf zu machen, ist für uns nicht der Fakt, dass jemand aus dem Norden auf der Landesliste stehen muss. Vielmehr ist es uns wichtig, mit unserer Partei im Wahlkampf einen Beitrag zur Lösung der drängendsten Probleme der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer zu leisten!

Wir wollen den anstehenden Wahlkampf nutzen, um die politischen Alternativen unserer Partei bekannt zu machen:

Wir wollen, dass DIE LINKE in den Landtag einzieht, damit es den Menschen, vor allem auch den sozial Benachteiligten besser geht.

Wir wollen, dass es für unsere Kinder wirkliche Chancengleichheit gibt, die sich vor allem in einer besseren Bildungspolitik widerspiegelt.

Wir wollen, dass auch von rheinland-pfälzischem Boden kein Krieg mehr aus geht. Deshalb sind wir für Rüstungskonversionsprojekte, die die Militärbasen in der Südwestpfalz überflüssig machen.

Wir wollen, dass der Erhalt und die Schaffung neuer sozialversichungspflichtiger Arbeitsplätze in den Mittelpunkt der Landespolitik rückt.

Wir wollen, dass unser Land seinen Energiebedarf bis zum Abschluss der nächsten Wahlperiode (2016) ausschließlich aus regenerativen Energiequellen speist.

Wir wollen, dass im rheinland-pfälzischen Polizeigesetz die Überwachung der BürgerInnen wieder rückgängig gemacht werden.

Wir wollen, dass die Bedingungen für mehr direkte Demokratie – also Volks- und Bürgerentscheide – verbessert werden. Derzeit findet – nach Angaben des Vereins Mehr Demokratie – nur alle 280 Jahre ein erfolgreiches Bürgerbegehren in Rheinland-Pfalz statt.

Wir wollen, dass das Land den Kommunen mehr Geld zur Verfügung stellt, damit diese ihre Aufgaben in der kommunalen Daseinsvorsorge erfüllen können.

Das sind unsere Kriterien, warum wir im Norden unseres Bundeslandes einen aktiven Landtagswahlkampf führen wollen. Wir haben Vertrauen in die politische Gestaltungskraft der Genossinnen und Genossen, die auf die Landesliste gewählt wurden. Darunter befindet sich auch der aus dem Westerwald stammende stellvertretende Landesvorsitzende unserer Partei, Martin „Wanja“ Klein.

Wir haben kein Verständnis dafür, dass einige führende Mitglieder unserer Partei aus dem Norden keinen Wahlkampf machen wollen, nur weil sie bei der Platzverteilung auf der Landesliste nicht das Vertrauen des Souveräns – der VertreterInnenversammlung unserer Partei – errungen haben.

Parteien sind kein Selbstzweck zur Absicherung der eigenen politischen Karriere, sie sind ein Instrument, um die Politik im Lande zu beeinflussen. Dieser gesellschaftlichen Verantwortung müssen wir uns im Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Rheinland-Pfalz stellen.


Wer von Euch auch dieser Meinung ist, sollte sich diesem Aufruf anschließen!

Neuwied, 28. Juni 2010

Erstunterzeichner nach alphabetischer Reihenfolge:
Frank Altgeld, Kreisverband Westerwald
Veronika Aubel, Kreisverband Neuwied
Phillip Becher, Kreisverband Altenkirchen
Reinhard Dahm, Kreisverband Rhein-Lahn
Annerose Fogel, Kreisverband Neuwied
Michael Häuser, Kreisverband Rhein-Lahn
Martin (Wanja) Klein, Kreisverband Westerwald
Birgit Leismann, Kreisverband Mayen-Koblenz
Walter Lichtenhahn, Kreisverband Neuwied
Uwe Maag, Kreisverband Altenkirchen
Thomas Menke, Kreisverband Neuwied
Horst Mereien, Parteilos, Linz
Jürgen Schartmann, Kreisverband Mayen-Koblenz
Jürgen (Onko) Stange, Kreisverband Mayen-Koblenz
Brigitte Stein, Kreisverband Mayen-Koblenz
Jörn Stein, Kreisverband Mayen-Koblenz
Gert Winkelmeier, Kreisverband Neuwied

 

 

 

2) Erklärung des Treffens mit Kreisfunktionären am 18. Juli 2010

Liebe Genossinnen und Genossen,

 

am Wochenende vom 26.06. – 27.06.10 haben wir unsere Landesliste aufgestellt. Der Souverän, also die Delegierten dieser Aufstellungsversammlung, hat entschieden. Für alle demokratischen Wahlen gilt: Wo es Gewinner gibt, gibt es auch jene, deren Wahlgang nicht so verläuft, wie sie sich das vorgestellt haben. Wir haben Verständnis für die Enttäuschung derjenigen, die sich ein anderes Ergebnis für sich oder andere erhofft haben und möchten unserer starken Hoffnung Ausdruck verleihen, auch künftig gemeinsam, geschlossen und tatkräftig aufzutreten und gemeinsam für unsere Sache – und um die geht es hier vorrangig – zu kämpfen. Wir sind angetreten, um die politische Landschaft zu verändern, wir sind angetreten, um die neoliberale Kürzungspolitik zu beenden, wir sind angetreten, um den Kriegstreibern und der deutschen Politik und überall sonst das Handwerk zu legen. Hierauf wollen wir uns besinnen.

 

Wir möchten auch festhalten, dass kein Mitglied das Recht hat, wegen persönlicher Befindlichkeiten – ob berechtigt oder unberechtigt, ob von anderen geteilt oder nicht – den angestrebten Erfolg bei der Landtagswahl zu verhindern. Dass Streitigkeiten nicht durch die Herausgabe von Pressemitteilungen befeuert werden dürfen, versteht sich von selbst.

 

Es ist oft von der historischen Chance gesprochen worden, die unsere Partei darstellt. Diese Chance besteht darin, dass sich linke Kräfte wieder gemeinsam engagieren, die vorher Jahrzehnte lang getrennt gekämpft haben. Unsere Pflicht uns unsere Aufgabe ist es, den Neoliberalismus radikal in Frage zu stellen. Unsere historische Chance besteht also darin, die Grundüberzeugungen der politischen Linken wieder ins Gespräch zu bringen. Nämlich Antikapitalismus uns soziale Demokratie. Sie besteht nicht darin, sich auf Personaldebatten zu beschränken und – bei allem Verständnis für persönliche Enttäuschungen – die Inhalte in den Hintergrund treten zu lassen, Wenn wir es mit unseren politischen Zielen ernst meinen, müssen wir gemeinsam kämpfen und zusammenstehen solange uns nicht ein Streit über unsere politisch-inhaltlichen Grundsätze trennt.

 

Und dies ist nicht in Sicht. Wir sind derzeit die einzige politische Partei, die sich sofort auf mehrere, mindestens ein halbes Dutzend, große Themen einigen kann. Es gilt also nun, im Sinne des von allen angestrebten kraftvollen Antritts zur Landtagswahl, unsere politischen Themen für das Land RLP zu formulieren, und ein gutes und die Menschen überzeugendes Wahlprogramm vorzulegen. Dies muss unsere Priorität sein.

 

Wir wollen um politische Inhalte streiten, um ein Wahlprogramm und für ein besseres und sozialeres Rheinland-Pfalz. Dafür lohnt es sich!

 

Mit solidarischen Grüßen

Die Unterzeichner.“

 

 

 

 

 

 

 

 
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Im Interesse der Menschen von Rheinland-Pfalz - jetzt erst recht!

Wir Mitglieder der LINKEN aus dem Norden stehen zu unserer Partei und werden einen engagierten Landtagswahlkampf führen.

Auch nach der Wahl der Landesliste fühlen wir LINKE uns gut für die kommende Landtagswahl gerüstet. Das Kriterium, einen aktiven Wahlkampf zu machen, ist für uns nicht der Fakt, dass jemand aus dem Norden auf der Landesliste stehen muss. Vielmehr ist es uns wichtig, mit unserer Partei im Wahlkampf einen Beitrag zur Lösung der drängendsten Probleme der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer zu leisten!

Wir wollen den anstehenden Wahlkampf nutzen, um die politischen Alternativen unserer Partei bekannt zu machen:

Wir wollen, dass DIE LINKE in den Landtag einzieht, damit es den Menschen, vor allem auch den sozial Benachteiligten besser geht.

Wir wollen, dass es für unsere Kinder wirkliche Chancengleichheit gibt, die sich vor allem in einer besseren Bildungspolitik widerspiegelt.

Wir wollen, dass auch von rheinland-pfälzischem Boden kein Krieg mehr aus geht. Deshalb sind wir für Rüstungskonversionsprojekte, die die Militärbasen in der Südwestpfalz überflüssig machen.

Wir wollen, dass der Erhalt und die Schaffung neuer sozialversichungspflichtiger Arbeitsplätze in den Mittelpunkt der Landespolitik rückt.

Wir wollen, dass unser Land seinen Energiebedarf bis zum Abschluss der nächsten Wahlperiode (2016) ausschließlich aus regenerativen Energiequellen speist.

Wir wollen, dass im rheinland-pfälzischen Polizeigesetz die Überwachung der BürgerInnen wieder rückgängig gemacht werden.

Wir wollen, dass die Bedingungen für mehr direkte Demokratie – also Volks- und Bürgerentscheide – verbessert werden. Derzeit findet – nach Angaben des Vereins Mehr Demokratie – nur alle 280 Jahre ein erfolgreiches Bürgerbegehren in Rheinland-Pfalz statt.

Wir wollen, dass das Land den Kommunen mehr Geld zur Verfügung stellt, damit diese ihre Aufgaben in der kommunalen Daseinsvorsorge erfüllen können.

Das sind unsere Kriterien, warum wir im Norden unseres Bundeslandes einen aktiven Landtagswahlkampf führen wollen. Wir haben Vertrauen in die politische Gestaltungskraft der Genossinnen und Genossen, die auf die Landesliste gewählt wurden. Darunter befindet sich auch der aus dem Westerwald stammende stellvertretende Landesvorsitzende unserer Partei, Martin „Wanja“ Klein.

Wir haben kein Verständnis dafür, dass einige führende Mitglieder unserer Partei aus dem Norden keinen Wahlkampf machen wollen, nur weil sie bei der Platzverteilung auf der Landesliste nicht das Vertrauen des Souveräns – der VertreterInnenversammlung unserer Partei – errungen haben.

Parteien sind kein Selbstzweck zur Absicherung der eigenen politischen Karriere, sie sind ein Instrument, um die Politik im Lande zu beeinflussen. Dieser gesellschaftlichen Verantwortung müssen wir uns im Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Rheinland-Pfalz stellen.

Wer von Euch auch dieser Meinung ist, sollte sich diesem Aufruf anschließen!

Neuwied, 28. Juni 2010

Erstunterzeichner nach alphabetischer Reihenfolge:

Frank Altgeld, Kreisverband Westerwald

Veronika Aubel, Kreisverband Neuwied

Phillip Becher, Kreisverband Altenkirchen

Reinhard Dahm, Kreisverband Rhein-Lahn

Annerose Fogel, Kreisverband Neuwied

Michael Häuser, Kreisverband Rhein-Lahn

Martin (Wanja) Klein, Kreisverband Westerwald

Birgit Leismann, Kreisverband Mayen-Koblenz

Walter Lichtenhahn, Kreisverband Neuwied

Uwe Maag, Kreisverband Altenkirchen

Thomas Menke, Kreisverband Neuwied

Horst Mereien, Parteilos, Linz

Jürgen Schartmann, Kreisverband Mayen-Koblenz

Jürgen (Onko) Stange, Kreisverband Mayen-Koblenz

Brigitte Stein, Kreisverband Mayen-Koblenz

Jörn Stein, Kreisverband Mayen-Koblenz

Gert Winkelmeier, Kreisverband Neuwied

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 02. Juli 2010 um 13:26 Uhr
 
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01.07.2010 / Inland / Seite 4 Junge Welt

Kampf um Posten und Mandate

Beim Konflikt in der Rheinland-Pfalz-Linken spielen politische Inhalte keine Rolle

Von Johannes Birk
Nach seinem Rücktritt als Landesvorsitzender der rheinland-pfälzischen Linken hat der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich seine Vorwürfe gegen die Mehrheit im Landesverband bekräftigt. Er hatte am Samstag in Kaiserslautern mitten in einer Vertreterversammlung zur Aufstellung der Landesliste für die Landtagswahl am 27. März 2011 sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

So bezeichnete es Ulrich am Dienstag im Deutschlandfunk als schweren Fehler, daß bei der Bewerberauswahl für die vorderen Listenplätze wichtige Regionen und Gewerkschafter nicht berücksichtigt worden seien. Damit habe die »politikunfähige« Partei die Chance verspielt, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Insbesondere in der nördlich von Koblenz gelegenen Westerwaldregion werde ohne Aussicht auf ein Mandat im Wahlkampf »wenig laufen«, drohte Ulrich im SWR-Regionalfernsehen.

Ulrichs Rücktritt war eine Reaktion auf das Scheitern der Mehrzahl seiner Favoriten im Kampf um die vorderen Listenplätze. Das Faß zum Überlaufen brachte die Stichwahl um Platz fünf, wo die von Ulrich für Platz zwei vorgesehene Barbara Eckes aus Puderbach im Westerwald erneut unterlag.

Der Vorwurf, die Partei habe Gewerkschafter nicht berücksichtigt, greift zu kurz. Listenführer Robert Drumm und die auf Platz zwei nominierte Tanja Krauth sind langjährige ver.di-Mitglieder. Der in der Stichwahl um Platz eins unterlegene Frank Eschrich, seit 2005 Wahlkreismitarbeiter des Abgeordneten Alexander Ulrich, trat nach eigenen Angaben erst 2005 in die IG Metall ein. Zuvor war er 18 Jahre lang in einem Pirmasenser Autohaus tätig.

Einziger Bewerber um einen vorderen Rang mit gewerkschaftlichem »Stallgeruch« war der IG-BAU-Sekretär Veit Wilhelmy, der im Kampf um Platz eins mit 41 Stimmen einen Achtungserfolg errang. Eschrich kam hier auf 84, Drumm auf 45 Stimmen. Mit Unterstützung des »Wilhelmy-Lagers« schlug Drumm in der Stichwahl Eschrich knapp mit 95 zu 89 Stimmen. Ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit nachweisen kann Ulrichs Wahlkreismitarbeiterin Elke Theisinger-Hinkel. Über 90 Prozent der Delegierten wählten sie auf Platz drei. Eckes und ein weiterer Ulrich-Favorit gaben in ihren Bewerbungsschreiben nicht einmal eine Gewerkschaftszugehörigkeit an.

Ulrich und Delegationen mehrerer Kreisverbände hielten sich am Sonntag von der Versammlung fern und trafen sich in einem nahen Hotel. Gleichzeitig bestätigten Konferenzteilnehmer auf jW-Anfrage, daß der Vorsitzende des Landesparteirats, Wilhelm Vollmann, am Sonntag gezielt einzelne Delegierte dazu aufgefordert habe, die Versammlung vorzeitig zu verlassen. Er habe darauf spekuliert, daß die laut Gesetz vorgeschriebene Endabstimmung über die Landesliste nicht mehr stattfinden und die Konferenz somit wegen Beschlußunfähigkeit »platzen« könnte. Diese Kalkulation ging jedoch nicht auf. »Erstaunlich gelassen« hätten die Delegierten auf den Rücktritt Ulrichs reagiert, stellte auch der SWR fest.

Den Vorwurf mangelnder »Berücksichtigung« von Regionen hält ein Konferenzteilnehmer für »absurd«. Bei 30 Kreisverbänden im Flächenland Rheinland-Pfalz und 20 Listenplätzen könnten »schon mathematisch nicht alle zum Zuge kommen«. Ulrich wolle so nur »von seiner Bastapolitik ablenken«. Ein anderer Delegierter äußerte gegenüber jW die Befürchtung, daß Ulrich eine Politik der »verbrannten Erde« betreibe und darauf spekuliere, nach einem Scheitern der Partei im März 2011 als »Retter in der Not« wieder die Führung zu übernehmen. Die Aussage, im Norden werde im Wahlkampf »wenig laufen«, sei eine unverhohlene Boykottdrohung, so eine Delegierte gegenüber jW.

Unterdessen berichtete die Frankfurter Allgemeine (FAZ), daß der Chef der Bundespartei, Klaus Ernst, die Aufstellung der Landesliste für »rechtmäßig und daher gültig« und die nominierten Mitglieder für »durchweg respektable Persönlichkeiten« halte, die für die »soziale und kämpferische Ausrichtung« der Partei stünden.

Bei all diesen Konflikten ging es nicht um politische Inhalte, sondern um lukrative Mandate und Machtansprüche. Dem Wunsch der drei Bundestagsabgeordneten im Landesverband, ihre persönlichen Wahlkreismitarbeiter auf die vorderen Ränge zu plazieren und damit in einer künftigen Landtagsfraktion eine Machtbastion zu sichern, gaben die Delegierten nur teilweise nach. So sind nur zwei der Bewerber auf den ersten sechs Rängen derzeit finanziell von Abgeordneten abhängig.
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. Juli 2010 um 07:58 Uhr
 
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LINKE.RLP startet ohne Unterstützung von Alexander Ulrich in die Landtagswahl 2011
Quelle : www.scharf-links.de

Bildmontage: HF

27.06.10
LinksparteidebatteLinksparteidebatte, Rheinland-Pfalz, TopNews

Von Edith Bartelmus-Scholich

Die LINKE.Rheinland-Pfalz hat an diesem Wochenende in Kaiserslautern ihre Landesliste für die Landtagswahl 2011 aufgestellt. Dabei kandidierten für 7 der ersten 10 Listenplätze Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei rheinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten. Die Aussicht auf eine solche Landtagsfraktion hat der VertretrerInnenversammlung offenbar nicht gefallen. Sie entschied sich nach Persönlichkeit und politischen Verdiensten nicht immer für die schon hauptamtlich Tätigen.

An die Spitze der Liste wurde so nicht Frank Eschrich, ein Mitarbeiter von Alexander Ulrich MdB, sondern der 59jährige hoch erfahrene Kommunalpolitiker Robert Drumm aus Ruthweiler gewählt. Drumm hatte 1995 aus Protest gegen die Zustimmung der SPD zum Auslandseinsatz der Bundeswehr in Bosnien-Herzegowina die Partei verlassen, danach erfolgreich als Parteiloser Kommunalpolitik gemacht und hatte sich 2006 der Linkspartei angeschlossen. Im Kreisverband Kusel hat er Anteil am erfolgreichen Parteiaufbau und hervorragenden Kommunalwahlergebnissen. Seinen politischen Schwerpunkt sieht Drumm in der Stärkung der Kommunen durch das Land.

Auf Platz 2 der Liste setzte sich überraschend die Birkenfelder Kreisvorsitzende Tanja Krauth durch. Die 41jährige Mutter einer Tochter hatte sich 2005 erstmals einer Partei angeschlossen - der WASG. Seitdem hat sie reichlich Erfahrung in Wahlkämpfen und mit Kandidaturen gesammelt. Ihre Ergebnisse, z.B. 13,5% bei der Bundestagswahl im Kreis Birkenfeld, können sich sehen lassen. Thematisch fühlt sich Krauth in der Sozialpolitik zuhause.

Erst auf Listenplatz 3 wählte die Versammlung mit Elke Theisinger-Hinkel, Mitarbeiterin bei MdB Alexander Ulrich, eine hauptamtlich politisch Tätige. Die 48jährige Diplom-Biologin überzeugte mit ihrer umweltpolitischen Kompetenz.

Listenplatz 4 errang der langjährige Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Schiedskommission der Linkspartei, Wolfgang Ferner. Der 58jährige Strafverteidiger verfügt über langjährige Erfahrung in neuen sozialen Bewegungen und will sich vor allem für den Erhalt und den Ausbau der Demokratie einsetzen.

Auf den Plätzen 5 bis 8 wurden Margarethe Skupin, Karl Vosskühler, Vanessa Burkhardt und James Hermann gewählt. Vosskühler, Burkhardt und Hermann sind bei MdB Kathrin Senger-Schäfer beschäftigt.

Nach der Wahl des Listenplatzes 6 am Samstag Abend um ca. 22:08 erklärte MdB Alexander Ulrich seinen Rücktritt vom Amt des Landessprechers. Er begründete dies mit der regionalen Unausgewogenheit der bislang gewählten Liste. Da bestimmte Regionen nicht vertreten seien, dies aber im Flächenland RLP unerlässlich sei, sieht er nur geringe Aussichten in den Landtag einzuziehen. Für den zu erwartenden Misserfolg wolle er nicht die Verantwortung übernehmen. Zwischenzeitlich haben Annette Kanmaz und Barbara Eckes sich mit Ulrich solidarisch erklärt und sind ebenfalls aus dem Landesvorstand zurückgetreten.

Die Landessprecherin MdB Kathrin Senger-Schäfer bedauerte den Rücktritt Ulrichs, sieht aber keine Notwendigkeit vor der ohnehin anstehenden Neuwahl zum Vorstand im November, nachwählen zu lassen.

Ulrichs Rücktritt und die Begründung dafür muten merkwürdig an. Der ausgewiesene Machtpolitiker hat in der Vergangenheit ausgewogenen Listenaufstellungen und Vorstandszusammensetzungen nur wenig Bedeutung zugemessen. Vielmehr hatte er mit Ausgrenzungen und Basta-Politik im Landesverband stark zur Spaltung beigetragen. Sein Rücktritt nach einer  teilweisen Niederlage bei der Listenaufstellung wurde von vielen im Landesverband der Linkspartei eher erleichtert aufgenommen.

Anders als von Ulrich dargestellt, kann sich die gewählte Liste - 7 Plätze könnten aussichtsreich sein - durchaus sehen lassen. Auch ist Ulrich mit seinen Vorstellungen, denen 2006 gefolgt wurde, keineswegs erfolgreich gewesen. Seinerzeit zog die WASG mit einem Wahlprogramm, welches auf die gesellschaftliche Mitte zielte und die regierende SPD nicht wirklich herausforderte nicht in den Landtag ein. Sie scheiterte mit 3,6% deutlich an der 5%-Hürde. Dieses Ergebnis wird DIE LINKE.RLP 2011 wohl kaum noch unterbieten.

Edith Bartelmus-Scholich, 27.6.2010

 
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Linken-Chef Ulrich erklärt Rücktritt

Der rheinland-pfälzische Vorsitzende der Linkspartei, Alexander Ulrich, hat seinen Rücktritt erklärt. Das teilte Ulrich mit, nachdem die Linkspartei die Kandidatenliste für die Landtagswahl im kommenden Jahr aufgestellt hatte.

Ulrich begründete seinen Schritt damit, dass er politisch und organisatorisch keine Grundlage mehr dafür sehe, bei der Landtagswahl erfolgreich zu sein. Die Listenaufstellung habe seine Kritik der letzten Wochen bestätigt. Ganze Regionen seien nicht berücksichtigt worden. Damit habe die Partei erneut einen "Schritt in Richtung politischer Unberechenbarkeit getan".

Kampabstimmung um Spitzenkandidatur

Bei der Aufstellung der Listenkandidaten hatte gestern Ulrichs Wahlbüro-Mitarbeiter Frank Eschrich in einer Kampfabstimmung gegen Robert Drumm aus Kusel verloren. Drumm tritt für die Linken nun als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im März 2011 an. Der 59-Jährige ist nach eigenen Angaben 2007 in die Partei eingetreten und gehört seit 2008 dem Landesvorstand an. Auf Platz zwei der Landesliste setzte sich die Birkenfelder Kreisvorsitzende Tanja Krauth im zweiten Wahlgang gegen Barbara Eckes aus Neuwied durch.

Gestern hatte sich Ulrich noch zuversichtlich gezeigt, dass der rheinland-pfälzische Landtag eine Linke-Fraktion bekommen werde. Die Frage sei nicht, ob, sondern mit wie vielen Abgeordneten die Linke in den Landtag einziehen werde. Hauptgegner im Wahlkampf sei "Schwarz-Gelb", allerdings sei eine SPD-Alleinregierung "auch nicht gut für dieses Land".

 


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